Februar 2026
Fund des Monats - Reiterhelm der Bataver

Diese Helmvariante ist bislang nur durch vier Exemplare belegt. Drei Helme wurden in Nijmegen (lat. Ulpia Noviomagus Batavorum, die Hauptstadt der Bataver) und einer in Xanten (siehe Abb.) gefunden. Die Helmkalotte mit hochklappbarer Gesichtsmaske ist aus Eisen. Die Haarkalotte besteht aus echtem Pferdehaar, welches als einzeln geflochtene Zöpfe aufgeklebt wurde. Darauf wurden ein großes und ein kleines ringförmiges Haarband mit Birkenpech geklebt.
Da diese Helme alle am Unteren Niederrhein und damit dem Stammesgebiet der Bataver gefunden wurden, könnten sie in einem ethnisch begründeten Kontext stehen: Die Identität der batavischen Reitereinheiten als Sinnbild des Korpsgeistes, des Stolzes auf die eigenen militärischen Fähigkeiten und als Zeichen der Abgrenzung gegenüber anderen. Denkbar ist aber auch die Nutzung als Paradehelm aufgrund der sehr aufwendigen und wertvollen Gestaltung.
Rekonstruktion und Leihgabe durch Norbert Wurscher (HOSTILIUS FLAVIANUS, centurio Cohors IX Batavorum)
Der Arbeitsaufwand betrug ca. 250 Stunden!

Reiterhelm mit Überzug aus Pferdehaar (Fundort: Xanten-Wardt, Datierung: 1. Hälfte 1. Jh. n. Chr., Aufbewahrungsort: LVR-RömerMuseum Xanten)
Historischer Hintergrund zur 9. Bataverkohorte (Cohors IX Batavorum)
Die Bataver waren in der Antike ein westgermanischer Volksstamm, der am Niederrhein lebte und im Jahr 12 v. Chr. von den Römern unterworfen wurde. Nach einigen friedlichen Jahrzehnten lehnten sich die Bataver und umliegende Volksstämme im Zuge des Bürgerkriegs nach dem Sturz Kaiser Neros 69 n. Chr. auf. Im sog. Bataveraufstand eroberten sie u. a. das Legionslager Vetera bei Xanten. Nach einem knappen Jahr wurde der Aufstand niedergeschlagen. Die IX. Bataverkohorte, die eine zweifelhafte Rolle bei den Aufständen spielte, wurde in der Folge im Jahr 70 n. Chr. nach Britannien, an den späteren Hadrianswall, verlegt. Dort ist die Auxiliareinheit beim Kastell Vindolanda auf Holztafeln, den sog. Vindolanda-Tablets, belegt. Wahrscheinlich wurde die IX. Bataverkohorte 105 n. Chr. nach Dakien verlegt, um im 2. Dakerkrieg unter Kaiser Trajan mitzukämpfen. Zwischen 112 und 116 n. Chr. fand die Truppe von dort ihren Weg nach Raetien, wo sie vermutlich den Aufbau des Holzkastells Ruffenhofen vornahm. In den 160er Jahren wurde die Kohorte nach Weißenburg verlegt, um die Abwesenheit einer wegen Kampfhandlungen in östliche Provinzen abgezogenen Truppe zu kompensieren. Vermutlich war die 9. Bataverkohorte dann auch am Bau der Limespalisade in dieser Zeit beteiligt und kehrte nach wenigen Jahren nach Ruffenhofen zurück.
Literatur: B. Steidl, Ein Militärdiplom aus dem vicus des Kastells Ruffenhofen am raetischen Limes, Bayerische Vorgeschichtsblätter 81, 2016, 147–170.
Fiktive Kurzgeschichte - Das Militärdiplom
Stolz hielt Villmus sein Militärdiplom in den Händen. 25 Jahre lang hatte er in der IX. Bataverkohorte seinen Militärdienst verrichtet. In dieser Zeit war nicht viel passiert im Vergleich zur bewegten Vergangenheit dieser Einheit. In den Dakerkriegen waren seine Vorgänger beteiligt gewesen. Sogar im noch kälteren und nasseren Britannien war die Truppe einmal untergebracht. Und ursprünglich bestand sie vor mehr als einem Jahrhundert aus Batavern, stolzen, westgermanischen Reitern. Auch die Präfekten stammten zumeist aus dem batavischen Adel. Doch zur Dienstzeit von Villmus waren sie ein bunt zusammengewürfelter Haufen gewesen. Kommandant war nun Titius Modestus, ein Mann aus dem Ritterstand, in Italien geboren.
Villmus selbst stammte aus Helvetien, war also mit den hohen Bergen der Alpen aufgewachsen. Ganz so beeindruckend war der Hesselberg nicht, aber immerhin eine Erinnerung. Wenn er frei hatte, ging Villmus gerne hoch und genoß den Ausblick. Manchmal konnte er ganz weit entfernt im Süden sogar das Gebirge sehen, das einmal seine Heimat war. Doch jetzt würde er sich hier in Ruffenhofen mit seiner Frau und seinen Kindern zur Ruhe setzen.
