November 2026
Lampenform
Römische Öllampen waren Massenware, die auch beim Kastell Ruffenhofen aus Ton produziert wurden. Der Töpfer schuf zunächst ein Ursprungsmodell einer Lampe aus Ton, das er brannte. Um diese sog. Patrize wurde Gips oder Ton gedrückt, sodass man eine, im Falle dieser kleinen Lampen meist zweiteilige Gussform, bestehend aus einer oberen und einer unteren Hälfte, erhielt. Ein Teil einer solchen sog. Matrize, gefunden im Vicus-Bereich unseres Kastells, ist hier ausgestellt. Der Töpfer konnte in diese dann Ton reindrücken, der in der Form die gewünschte Lampengestalt annahm und sich beim Antrocknen wieder aus ihr lösen ließ. Dieser Vorgang ließ sich mit den aus dem Lampenmodell gewonnenen Formen häufig wiederholen, wodurch die massenhafte Produktion gleichartiger Lampen möglich war. Sie wurden nach diesem Prozess noch gebrannt und waren dann bereits fertig zum Verkauf.
In diesem Fall handelt es sich übrigens um eine billige Grablampe, ein echter Massenartikel der römischen Antike. Die Nachbildung zeigt, wie mit dieser Form produzierte Lampen aussahen. Fachlich handelt es sich um eine Lampe vom Typ Loeschcke X. Das Öl dafür kam übrigens in großen, dickwandigen Amphoren aus Südspanien an den Limes.

antikes Lampenform-Bruchstück

Nachbildung des damit produzierten Lampen-Teilstücks

rekonstruierte Nachbildung der gesamten Lampe
Fiktive Kurzgeschichte - Grablampe vs. Apollostatuette
Faustus langweilte sich gewaltig und das, obwohl er mit Arbeit gut ausgelastet war. Seine Grablampen und sonstigen kleinen Keramik-Produkte waren ein echter Renner im Lagerdorf von Ruffenhofen. Er hatte alle Formen, die aktuell in Mode waren, massenhaft zum Verkauf bereit und produzierte jeden Tag viele weitere Gefäße. Trotzdem kam er der Nachfrage kaum hinterher.
Er dachte sich: „Wäre ich mal lieber Künstler geworden, wie ich es mir gewünscht habe, Bildhauer zum Beispiel, aber nein, Vater meinte: ‚Lern was Ordentliches, etwas mit Perspektive.‘ Ich hätte mir wirklich einen Vater gewünscht, der mir meine Träume nicht verbietet. Jetzt stehe ich hier, mache jeden Tag dasselbe und habe Stress. Als Bildhauer könnte ich ein viel schöneres Leben haben, voller Muse und künstlerischer Freiheit. Wobei. Wenn so ein fetter, reicher Römer mir dauernd schnaufend über die Schulter schaut und möchte, dass ich schneller und noch mehr in seinem Sinne arbeite, hätte ich auch keinen Spaß. Und Abnehmer hätte ich hier am Limes kaum.“
Dieser letzte Gedanke vertrieb zumindest so ein bisschen Faustus‘ Trübsal. Handwerk war nun einmal so. Nicht viel Abwechslung. Zimmerer bauten auch immer die gleichen Häuser. Schmiede schmiedeten ständig ähnliches Zeug. Nur Faustus‘ Schwiegervater December, der sich nach seinem Dienst im Kastell als Bronzegießer versuchte, wollte Abwechslung in seinen eigenen Arbeitsalltag bringen.
Am Abend, nach vielen weiteren geformten und gebrannten Lampen, ging Faustus mit seiner Frau Aurelia in ihr Elternhaus. December wartete schon auf sie:
„Schaut nur, was ich heute erschaffen habe. Ja, ich weiß, das ist noch nicht so ausgereift, aber die nächsten Versuche werden besser.“
Faustus sah sich das… Ding an. „Ich will nicht gemein sein, December, aber… Was bei allen Göttern der Unterwelt soll das sein?“
„Na, ein Apoll. Die Kithara krieg ich auch noch hin, ganz bestimmt.“
Faustus nickte brav und verkniff sich ein Schmunzeln. Das Ding war hässlich. Damit verglichen sahen seine Lampenformen ja nach hoher Kunst aus. Dieser Gedanke machte Faustus etwas glücklicher.
(Schaut euch doch mal die Apollo-Statuette in der Dauerausstellung an. Die findet ihr im Vicus-Bereich hinter dem Kino.)
