Oktober 2026
Zweigliedrige kräftig profilierte Fibel mit Stützplatte

In der archäologischen Forschung gibt es eine große Menge an Fundgattungen. In vielen davon gibt es einen enormen Schatz an Expertenwissen, da sich einzelne Fachleute jahrelang sehr intensiv mit einer bestimmten Fundgattung auseinandergesetzt haben; so auch bei Fibeln. Hat man nun eine solche Fibel als Nicht-Fibel-Expertin oder -Experte vor sich, erleichtert die geleistete Pionierarbeit, insbesondere in einer gut sortierten Bibliothek wie der im LIMESEUM, die Bestimmung und Datierung deutlich. Daher können wir aus der maßgeblichen Fachliteratur zu Fibeln in den Nordwestprovinzen von Emilie Riha folgende Informationen zu dieser Fibel entnehmen:
„Die zweigliedrigen kräftig profilierten Fibeln behalten die Form der eingliedrigen Exemplare, weisen jedoch weitere Entwicklungstendenzen auf, d.h. Verflachung des Bügels und Verkürzung und Erhöhung des Nadelhalters. […] Verbreitungsgebiet: Noricum, Pannonien, Raetien, vereinzelt auch westlich und südlich davon. Für die Unterteilung in Varianten ist das Vorhandensein bzw. das Fehlen einer Stützplatte ausschlaggebend.“ (E. Riha, Die römischen Fibeln aus Augst und Kaiseraugst, 72)
Bei der vorliegenden Fibel, die beim Kastell Theilenhofen gefunden wurde und ins 1. Jh. n. Chr. datiert wird, ist eine Stützplatte vorhanden. Fibeln dienten in der römischen Antike als schmuckvolle Gewandnadeln, die etwa getragene Umhänge und Mäntel zusammenhielten. Ihre Machart – gröber oder feiner – lässt auch Rückschlüsse auf die jeweilige Kleidung bzw. die Qualität des Stoffes zu.
Fiktive Kurzgeschichte: Eine Fibel – mein wertvollster Besitz
Diese wunderschöne Fibel ist nicht nur ein Erbstück meiner Mutter, sondern auch das Einzige, was ich von ihr noch habe. Sie wuchs wie ich in sehr einfachen Verhältnissen auf, da waren die Besitztümer sehr begrenzt, insbesondere Schmuckstücke hatten wir sehr wenige. So eine Fibel ist ja nicht nur das Ding, das meinen Mantel zusammenhält, sondern immer auch eine kleine, schöne Verzierung, mit der man sich schick gekleidet fühlt.
Ich halte die Fibel meiner Mutter in Ehren. Sie hält meinen Mantel an Ort und Stelle, wenn wieder einmal der beißende germanische Wind durch den Vicus fegt. Außerdem ist sie mein Glücksbringer. Seit ich sie habe, hat sich so viel in meinem Leben zum Besseren gewendet. Ich habe eine Anstellung als Kellnerin in einer Kneipe gefunden. Ich habe dort einen hübschen, höflichen Mann kennengelernt. Die Fibel allein mag nicht der Grund sein, warum ich ihn von mir überzeugen konnte, aber nur wer sich hübsch fühlt, strahlt auch Selbstvertrauen aus, und das liegt auch viel an der Kleidung.
Und dann war da ja noch diese schlimme Geschichte mit den Banditen. Eines Tages machten mein Mann und ich einen Ausflug mit der Kutsche. Obwohl die Straßen zwischen den Kastellen hier am Limes als recht sicher gelten, wurden wir doch tatsächlich von Banditen überfallen! Ich habe zum Glück rechtzeitig bemerkt wie sie uns auflauerten und habe blitzschnell meine Fibel abgenommen und ins Gras fallen lassen. Das wenige Geld, das wir dabeihatten, wurde uns abgenommen. Aber den für mich wertvollsten Besitz, die Fibel, konnten die Diebe nicht entwenden. Nachdem die Ganoven abgehauen sind, haben wir schnell die Fibel gesucht und dank ihres goldfarbenen Glanzes am Wegesrand rasch wiedergefunden. Nicht besonders schlau von den Banditen, nicht zu hinterfragen, warum ich ständig meinen Mantel zurechtrücken musste, als sie uns bedrohten und nach Wertsachen durchsuchten. Glück für mich. Dank meines Glücksbringers, den ich so auch noch behalten konnte.
