August 2026


Fund des Monats - Teufelsfinger

Was wir heute als „Teufelsfinger“ oder „Donnerkeile“ bezeichnen, sind sog. Belemniten, fossile Kopffüßer. Sie gehören zur Gruppe der Weichtiere und kamen ausschließlich im Meer vor. Entsprechend sind sie ein sichtbares Überbleibsel eines früheren Erdzeitalters, in dem u. a. das heutige Deutschland vollständig von einem flachen, tropischen Meer bedeckt war. Konkret existierten Belemniten von vor ca. 358 – 66 Millionen Jahren. Die patronenförmigen Überbleibsel („Rostren“) dieser uralten Meeresbewohner waren einmal das Skelett von Tintenfischen.

Fossilien lösen seit Jahrtausenden Faszination bei den Menschen aus. Sie wurden schon von frühen menschlichen Kulturen als Schmuck und Glücksbringer am Körper getragen, so auch von manchen Römern.

So manch Mythos oder Märchen der Vergangenheit entstand, weil Fossilien gefunden wurden. Vor allem wenn es sich um große, nahezu vollständige Skelette, wie etwa von Mammuts oder Dinosauriern handelte, lag es nahe, in den ausgestorbenen Tieren allerlei Fabelwesen zu erkennen.

Auf den Äckern um das Kastell Ruffenhofen sind Teufelsfinger bis heute zu finden. Entsprechend müssen sie auch den Römern bei der Gartenarbeit oder dem Anlegen von Fundamenten für die Bauwerke im Kastell und Lagerdorf begegnet sein.


Fiktive Kurzgeschichte - Der Fossilienjäger

‚Was für ein komischer Vogel!‘, dachte sich Gnaeus. Er und seine Kameraden waren gerade dabei, den Aushub für das Horreum, den Speicherbau, im Kastell Ruffenhofen vorzunehmen. Dabei wurden sie ständig gestört von Atticus, diesem Spinner. Der sprang um sie rum und begutachtete jedes Häufchen Erde, das sie aus der Baugrube beförderten. Warum der nervige Zivilist hier überhaupt im Weg stehen durfte, verstand Gnaeus ohnehin nicht.

„Oh, schaut nur, schon wieder so ein ganz rundes langes Dings, hach!“, frohlockte Atticus. Er meinte offensichtlich eins von diesen kleinen, steinernen Teilen, die sie beim Schaufeln störten. „Was findest du eigentlich so spannend an diesem Müll?“, fragte Gnaeus den Griechen, der sich kaum beruhigen konnte vor Freude.

„Das ist doch kein Müll! Also für mich zumindest nicht. Ich habe in meiner Kindheit gelernt, dass es solche Versteinerungen gibt. Das sind Überreste von Tieren von vor langer Zeit. Noch bevor es euer Römisches Reich überhaupt gab.“ Gnaeus schnaubte. Wieder einmal musste Atticus ihm seine ach so tolle griechische Bildung unter die Nase reiben.

 

Atticus war in Griechenland aufgewachsen, das die Römer schon lange zuvor erobert hatten. Von klein auf hatte er sich für die großen Bauwerke und andere Überbleibsel der von Rom geschluckten Kultur seiner Vorväter interessiert. Diese Neugierde an der Vergangenheit übertrug sich auch auf Fossilien. Nun hatte es ihn an den Limes verschlagen. Auch hier nutzte er jede Gelegenheit um mitzubekommen, was unter dem heutigen Erdboden steckte. Die Vergangenheit, deren Überreste unter seinen Füßen schlummerten, löste eine große Faszination in Atticus aus.

„Du musst meine Begeisterung ja nicht verstehen, lieber Gnaeus. Ich verstehe ja auch nicht, was ihr Soldaten so toll am Krieg spielen und aus Türmen gucken findet.“ Damit hatte er sich vielleicht etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt. Gnaeus drohte ihm Schläge an. Die nächste Stunde beobachtete Atticus die Baustelle daher im Stillen. Nur ab und an ließ er einen leisen Freudenschrei los, wenn er wieder etwas Spannendes in der Erde oder auf dem Abraumhaufen entdeckte.