Juni 2026


Fund des Monats - Sesterz

Der Sesterz war neben dem Denar eine weitere wichtige Münzeinheit. Er war die wertvollste römische Münze, die nicht aus Edelmetall bestand. Vier Sesterze hatten denselben Wert wie ein silberner Denar.

Sesterze gelten als die geläufigste Münze im Römischen Reich, insbesondere für die große Mehrheit der Bevölkerung, die Teil der armen Unterschicht war. Am Limes überwiegen im Münz-Fundgut jedoch die Denare deutlich. Das liegt daran, dass die Gehälter der Soldaten in Denaren ausgezahlt wurden und so in den Kastellen und angeschlossenen Vici hauptsächlich die Silbermünzen in Umlauf gebracht wurden.

Sesterze gab es erstmals im 3. Jh. v. Chr. Seine endgültige Form, die daraufhin für drei Jahrhunderte galt, erhielten die Sesterze mit der Münzreform des Augustus (Kaiser von 27 v. Chr. – 14 n. Chr.). Sie waren die größte und mit ca. 27 g schwerste römische Münzeinheit und bestanden aus Aurichalkum, einer messingähnlichen Kupfer-Zink-Legierung. Mit der Zeit nahmen das Gewicht und der Zinkanteil jedoch ab, insbesondere im 3. Jh. n. Chr.

Ein Sesterz entsprach in seiner Kaufkraft einem heutigen Wert von etwa 10,- bis 20,- € und war der Tageslohn eines Legionärs. Dies genügte, um sich für einen Tag mit essentiellen Lebensmitteln zu versorgen.


Fiktive Kurzgeschichte - Alpinus wird seßhaft

So langsam fühle ich mich richtig heimisch hier in Ruffenhofen. Mit meiner Frau Iulia lebe ich in einem unauffälligen Streifenhaus, in dem wir uns wohlfühlen. Unser Geschäft floriert.

Die wichtigsten Kunden sind die Soldaten, die im Kastell ihren Dienst verrichten. Die meisten sind ganz nette Jungs. Manche von ihnen treiben auch Unsinn und stören etwas die Ordnung im Lagerdorf, aber das kann man ihnen kaum verübeln. Sie sind jung und haben Langeweile, weil hier wenig los ist. Aber nicht täglich sein Leben zu riskieren, ist auch ganz nett, das wissen die meisten wertzuschätzen und genießen den gemütlichen Alltag.

Einen großen Teil meiner täglichen Aufgaben im Geschäft hat meine Frau übernommen. Es ist üblich, dass die Frauen ihren Ehemännern helfen, aber wir sind ein extremes Beispiel. Dennoch schäme ich mich nicht dafür, eine kluge Frau zu haben, die einen Geschäftssinn hat, der meinen noch übertrifft. Schließlich profitiert davon die ganze Familie. Wir haben inzwischen zwei Söhne und sie sollen nicht die einzigen Kinder bleiben. Die hungrigen Mäuler wollen gefüttert werden.

Da Iulia alles so gut im Griff hat, kann ich mich immer mehr aus dem Geschäft zurückziehen und mich meiner eigenen Bildung widmen. Die Verwaltung des Vicus‘ ist gerade im Umbruch und da sehe ich eine Chance für mich. Vielleicht kann ich da unterkommen.

Allerdings werde ich dort mit höheren Beamten der Provinzverwaltung kommunizieren müssen. Um mich da nicht bis auf die Knochen zu blamieren und in hohem Bogen rausgeworfen zu werden, muss ich mein Latein massiv verbessern. An den Abenden bringt mir Iulia, die in Augsburg geboren wurde, vieles bei. Am Tag verbinde ich Arbeit und Studium. Wenn ich unsere Einkünfte zähle, lehren mich die Münzbilder vieles über die Bildsprache der Römer und das verkürzte Latein. Beides ist ja auch häufig auf öffentlichen Bauten zu finden und daher für mich als zukünftigen Verwaltungsbeamten interessant.

Den Sesterz, den ich gerade in der Hand halte, kann ich inzwischen gut entziffern. Vorne steht um den Kopf „L VERVS AVG ARM PARTH MAX“. Das steht im Einzelnen für: Lucius Verus, Kaiser, Armeniacus, Parthicus, Maximus. Also habe ich eine Münze von Kaiser Lucius Verus vor mir, der die beiden Ehrentitel, samt der Steigerung, dass er der Größte sei, für seine militärischen Erfolge gegen die Parther trägt. Die Rückseite zeigt Fortuna Redux. Die Göttin des Glücks beaufsichtigt eine lange, gefährliche Reise. Demnach geht es um die glückliche Rückkehr nach den Partherkriegen.

Ob ich wohl auch mal in die Alpen, meine alte Heimat, zurückkehre?