April 2026
Fund des Monats - Lavezgefäß-Fragmente
In römischer Zeit wurde Lavezstein (auch Speckstein genannt) als Material für Gefäße und Waschbecken für Thermen verwendet. Lavez besteht v. a. aus dem Mineral Talk, wobei in den meisten Abbaustätten weitere Minerale enthalten sind, die dem Stein eine andere Struktur und Farbe geben können. Der umgangssprachliche Name Speckstein kommt daher, dass er sich seifig oder fettig anfühlt. Da er eine geringe Härte hat, wird er bereits seit Jahrtausenden als Rohmaterial verwendet. Außerdem speichert Lavez Wärme. Unter anderem deshalb ist dieser Stein auch heute wieder in Mode.
Das wichtigste Abbaugebiet von Lavezstein in Europa befindet sich im westlichen Oberitalien und der Schweiz. Vor 10 Jahren wurde in Österreich am Pfitscherjoch eine römerzeitliche Produktionsstätte von Lavez-Gefäßen entdeckt. Anhand von Bearbeitungsspuren und anhaftender Holzkohle ließ sich die Stätte auf das 1. bis 3. Jh. n. Chr. datieren. Lavezgefäße wurden hier gedrechselt. Am Limes kommen sie nicht häufig vor, einige findet man aber doch. In der nächsten Sonderausstellung ab dem 14.05. wird ein in Teilen erhaltenes Lavezgefäß zu sehen sein.

Fiktive Kurzgeschichte - Alpinus' Reise
„So, mein Kleiner, jetzt verlassen wir unsere Heimat. Es wird Zeit für einen lateinischen Namen für dich. Wie wäre es mit Alpinus? Nicht besonders einfallsreich, klar, aber passend und wird dich immer an deine Herkunft aus den Bergen erinnern.“, sagte Helico. Sein fünfjähriger Sohn, bisher Ninno genannt, zeigte keine große Regung. Nur ein weiteres Zittern überfiel den kleinen Kinderkörper. Es war aber auch wirklich bitterkalt hier im Gebirge. Die Ochsen zogen ihren Karren weiter durch den Schnee. „Na, du wirst am Ende noch glücklich sein, dass wir in ein wärmeres Gebiet umziehen. Es geht zwar nach Norden, aber dafür raus aus diesen schneebedeckten Höhen.“, meinte Helico. Wieder bekam er keine Antwort von Ninno bzw. ab jetzt ja Alpinus. Helico hatte sich in den letzten Tagen große Sorgen gemacht, dass sein Sohn die Heimat zu sehr vermissen könnte, wenn sie ihre Reise an den Limes antreten würden. Doch der Kleine aß zu wenig und fror deswegen ständig. Jedes bisschen weniger Kälte würde ihm gut tun.
Nach dem Tod seiner Frau wollte Helico nur noch weg aus Helvetien. Er hatte alles, was auf den Wagen passte, draufgepackt. Besonders die Lavezgefäße könnten ihm nützlich sein. Die konnte er den Soldaten und Lagerdorf-Bewohnern an der Grenze, die nur selten solche qualitätvollen Steintöpfe bekamen, sicher gut verkaufen. Mal sehen, wohin der Weg sie führen würde. Aber erstmal weg.
Helicos Frau stammte aus Germanien und wollte immer in ihre alte Heimat zurückkehren. Dafür war es jetzt zu spät. Aber ihr Mann und ihr Sohn konnten dort leben und sie in ihrer Erinnerung mit sich tragen. Und in den Lagerdörfern bei den Limeskastellen fand man eigentlich immer eine Arbeit. Da war es von Vorteil, aus einer anderen Gegend zu stammen und den Menschen Dinge zu verkaufen, die sie selten zu Gesicht bekamen. Aber ein lateinischer Name musste dennoch sein, zumindest für Helicos Sohn. Er selbst fand sich damit ab, mit seinem helvetischen Namen unter den Römern aufzufallen. Sein Sohn aber sollte als Römer aufwachsen. Nicht als römischer Bürger, das Recht hatten sie nicht. Aber doch zumindest als ein Mensch mit lateinischem Namen, das war von Vorteil.
„Alpinus“, sagte der Junge. „Das gefällt mir.“
Helico lächelte. Das erste Mal, seit seine Frau dem Fieber erlag. Sein Leben konnte doch wieder gut werden. Nicht so schön wie es mit ihr war, natürlich. Aber seinem Sohn würde Helico alles beibringen können, was er selbst wusste und konnte. Darauf freute er sich schon. Doch erstmal mussten sie diese eisige Kälte hinter sich lassen, dachte Helico und schnalzte mit den Zügeln.
